22.11.2016 SV Halle Leichtathletik freut sich über eine Verstärkung des Mehrkampfteams

Die MZ berichtet.

Halle (Saale) –

Für Michael Schrader kam es einer Heimkehr gleich. 14 Tage hat der Zehnkämpfer gerade in Halle verbracht, sein Reha-Programm absolviert und die alte Wohngemeinschaft mit Kumpel Rico Freimuth wiederbelebt. Am Freitagnachmittag ging es dann zurück in seine Heimatstadt Duisburg. Dabei begleitete ihn auch die Gewissheit, bald ein echter Sportler aus Halle zu sein. In den letzten Tagen hat er nämlich auch einen bedeutenden Vertrag unter Dach und Fach gebracht, dessen entscheidenden Fakt er freimütig nennt: „Ab 1. Januar starte ich dann für den SV Halle.“

Schrader, der Zehnkampf-Vizeweltmeister von 2013 in Moskau, ist damit der zweite Transfercoup, den der Sportverein für die Abteilung Leichtathletik landet. Schon am vergangenen Mittwoch war bekanntgeworden, dass auch Hürden-Vizeweltmeister und -Europameisterin Cindy Roleder ab Jahresbeginn das SV-Trikot tragen wird. Die Gründe der beiden Stars, für Halle zu starten, sind fast identisch. „Ich habe doch die letzten Jahre hier in Halle bei Wolfgang Kühne trainiert und mich rundum wohlgefühlt. Und weil mein alter Vertrag auslief, habe ich mich gefragt, was für mich in Frage kommt. Da war der SV Halle die erste und logische Wahl“, sagt Michael Schrader, der zuletzt für den SC Hessen Dreieich startete.

Doch den 29-Jährigen zu verpflichten, damit geht der grün-weiße Großverein auch ein gewisses Risiko ein. Seit dem 22. Januar ist Schrader verletzt. Er war an jenem Tag im Wintertraining in Leverkusen bei einem verunglückten Stabhochsprung-Versuch so schlimm auf die Matte gekracht, dass dabei sein linkes Knie fast komplett zerstört wurde: Kreuzband- und Patellasehne und einiges mehr waren gerissen. Noch immer ist Schrader nicht fit. Ob er überhaupt in der kommenden Saison bei einem Zehnkampf an den Start geht, ist unwahrscheinlich. „Deshalb bin ich dem SV Halle auch dankbar, dass er Vertrauen in mich setzt. Sie haben gesagt, sie haben Geduld mit mir. Das braucht es auch“, sagt Schrader dessen Bestleistung seit der WM 2013 bei großartigen 8 670 Punkten steht. Schließlich hat er mehrere schwere Operation hinter sich. Viel mehr als ein Rehabilitationsprogramm schafft er derzeit nicht.

Dann beschreibt Michael Schrader seinen Gesundheitszustand: „Beim Joggen habe ich immer noch Schmerzen, ich hoffe, dass diese bis es Anfang des Jahres weg sind und ich wieder beschwerdefrei Laufen gehen kann. Niemand sollte Wunder erwarten, dafür war die Verletzung zu schwer.“ Natürlich hat er jedoch mit all seinem bekannten Ehrgeiz in der Zwischenzeit fleißig im Kraftraum seinem Muskeln geformt.

Schraders Verpflichtung hat aber zugleich einen psychologischen Effekt. Und zwar für Rico Freimuth. Der Hallenser, der beste Kumpel, hatte, seitdem Schrader 2013 – wie auch Cindy Roleder – zur Kühne-Trainingsgruppe gestoßen war, einen enormen Leistungssprung gemacht. Ohne den bärenstarken Konkurrenten Schrader im halleschen Team, wäre Freimuth 2015 in Peking kaum WM-Dritter geworden – sagen die Experten. Kaum war Schrader verletzt, erlebte Freimuth ein Jahr zum Vergessen mit dem Tiefpunkt der verletzungsbedingten Aufgabe bei den Olympischen Spielen in Rio. Zu denen er sowieso mit einer fürchterlichen Form gereist war.

Freimuth hat sich inzwischen mental berappelt. Auch er kuriert gerade letzte Wehwehchen aus und soll Anfang 2017 wieder mit neuem Schwung einsteigen. Zugleich arbeitet Freimuth derzeit an seinem Projekt „Team Rico“, dessen Grundidee es ist, Halle zum deutschlandweiten Mehrkampfzentrum aufzubauen. In diesem Zusammenhang ist die Verpflichtung Schraders und auch die von Roleder, die ja Siebenkampf trainiert, ein kluger Schachzug. Eine Ansammlung von Stars unter hallescher Flagge ist ein Signal für die besten deutschen Talente: Kommt, trainiert mit den Idolen in Halle.

(mz)

– Quelle: http://www.mz-web.de/25123234 ©2016

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